Umwelt & Natur: Die schwimmenden Gärten von Bangladesch (01.April 2021)

In einigen Teilen Bangladeschs haben Landwirte schwimmende Gärten entwickelt, in denen Pflanzen auf schwimmenden organischen Beeten aus Wasserhyazinthen, Algen und anderen Pflanzenresten auf dem Wasser wachsen können. Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt und die mehr als 230 Flüsse in Bangladesch sind die instabilsten Flüsse der Welt, Jedes Jahr wird Bangladesch von dem regenbringenden Monsun heimgesucht. Viele Menschen sterben bei Überschwemmungen und Erdrutschen. Das Jahr in dieser Region wird nicht nach den vier Jahreszeiten, sondern nach dem Sommermonsun von Juni bis September und dem Wintermonsun von Dezember bis Februar eingeteilt. In den letzten Jahren haben sich die Überschwemmungen intensiviert und dauerten länger als die traditionellen zwei Monate. Für arme Familien, die im ländlichen Bangladesch leben, ist das Land ein knappes Gut und die Menschen müssen jeden zur Verfügung stehenden Platz nutzen. Von den Überschwemmungen sind Millionen Menschen betroffen und mehr als 100.000 Frauen, Männer und Kinder sind gezwungen, umzuziehen, da Dörfer und Lebensunterhalt buchstäblich weggespült werden. Die Lösung: „Die schwimmenden ökologischen Gärten“. 

Die schwimmenden Gärten von Bangladesch

Die Landschaft mit farbenfrohen, abwechslungsreichen schwimmenden Gärten bietet eine einzigartige Aussicht. Landwirte, die dringend mehr Ackerland benötigen, finden Teiche, Gewässer und Nebenflüsse als Alternative für die Entwicklung schwimmender Gärten und erzielen so ihr  Einkommen durch den Anbau von Gemüse- und andere Kulturpflanzen.  

Foto: Syed Zakir Hossain / Dhaka Tribune

Bauern in Bangladesch überleben den Monsun, indem sie schwimmende Farmen bauen. In Bangladesch befindet sich das größte Flussdelta der Welt, das häufig zu verheerenden Überschwemmungen neigt. Die Bauern bauen hier eine uralte Technik aus, um schwimmende Farmen zu bauen, die einfach mit dem Wasser steigen und fallen. Doch diese uralte Technik, die im Süden von Bangladesch seit Hunderten von Jahren genutzt wird, funktioniert leider nicht im Norden, wo die Niederschläge noch verheerender sind. Im Süden von Bangladesch werden die schwimmenden Gärten durch Wasserhyazinthen – eine Art Unkraut – über Bambusstrukturen geschichtet und die resultierende künstliche Insel mit Erde überzogen, um Gemüse anzubauen.

Dieses Konzept übernahm 1998 von Bangladesch ein damaliger 22-Jähriger Architektur-Absolvent, nachdem viele Menschen durch eine Überschwemmung gestorben und Millionen Menschen obdachlos geworden waren.

Bangladesch liegt am Mündungsgebiet von Ganges, Brahmaputra und Meghna, dem größten Flussdelta der Welt, das aus 230 Flüssen und unzähligen Nebenarmen besteht. Der Klimawandel erhöht den Druck auf die Ressourcen Land und Wasser und gefährdet die ohne hin prekäre Ernährungssicherheit.

Während der Monsunzeit ist ein großer Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche Bangladeschs mit Wasser bedeckt, sodass kein Anbau möglich ist. In den letzten zehn Jahren hat der Klimawandel die Monsunmuster in Südostasien beeinflusst. Der Monsun ist sehr unberechenbar und unregelmäßig geworden, was zu häufigen Überschwemmungen führt. Landwirtschaft und Viehhaltung sind vollständig vom Monsun abhängig.

Für ein armes und unterentwickeltes Land wie Bangladesch war es notwendig, kostengünstige und akzeptable Lösungen zu finden, die leicht von der landwirtschaftlichen Bevölkerung angewandt werden können.

„Es gibt überall Wasser“, sagte die 25-jährige Hafiza Khatun, eine Mutter von zwei Kindern, deren Familieneinkommen von sechs Monaten des Jahres durch eine Überschwemmung verschwunden war. Auch ihr Mann, der als Landarbeiter arbeitete, hatte keine Arbeit. Durch den schrecklichen Monsum stand die Erde für diese Menschen praktisch still.

Doch dann kam die Wende, als sie von Shidhulai Swanirvar Sangstha, einer gemeinnützigen Organisation aus Bangladesch, für eine schwimmende Farm ausgebildet wurden. Mohammed Rezwan hatte 1998 die Organisation als 22-jähriger Architektur-Absolvent gegründet. In diesem Jahr wurden bei der Flutkatastrophe in Bangladesch 700 Menschen getötet und 21 Millionen Menschen obdachlos.

.shidhulai.org

Shidhulai Swanirvar Sangstha ist eine eingetragene gemeinnützige Organisation in Bangladesch. Ziel ist es, die Wasserstraßen der Region in Wege für Bildung, Information und Technologie zu verwandeln – auch um die durch den Klimawandel verursachten Überschwemmungen zu bewältigen, die Umwelt und die Rechte der Menschen zu schützen und die Menschen aus der Armut zu befreien.

Non-profit Shidhulai Swanirvar Sangstha also trains poor women to grow flood-resistant crops such as sugar cane. A group of women listen to a lecture by an agricultural scientist in a classroom on a boat. (Amy Yee for VOA)

Ursprünglich konzentrierte sich Rezwan auf den Bau von Schulen auf Schiffen und arbeitete daran sicherzustellen, dass Tausende von Kindern trotz Überschwemmungen weiter unterrichtet werden konnten. Bis jetzt konnte er mit seiner Organisation 22 Schulen, fünf Krankenhäuser und 10 Bibliotheken für mehr als 70.000 Kinder in Dörfern, die durch saisonale Überschwemmungen isoliert sind, eine kontinuierliche Ausbildung und andere Dienstleistungen zur Verfügung stellen.

Vor etwa 10 Jahren begann er auch, schwimmende Farmen für Dorfbewohner und insbesondere für die landlosen Armen zu errichten, um ihnen zu helfen, sich in den Monaten der Überschwemmungen ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Für die 25-jährige Hafiza Khatun hat sich seitdem das Leben geändert. Sie nutzt diese ungewöhnliche Quelle nicht nur für die Ernährung ihrer Familie, sondern kann sich sogar ein zusätzliches Einkommen  schaffen: eine schwimmende Farm mit einem Entenstall, Fischgehegen und einem mit einem Seil am Flussufer festgemachtem Gemüsegarten. Was sie selbst nicht benötigt, verkauft sie.
Mit dem neuen Einkommen pachtete sie Land, um Zuckerrohr anzubauen. Zum ersten Mal hat Khatuns Familie in einer Bank Geld gespart. Sie kaufte ein Bett für ihre Hütte und hilft ihrem Mann, die Familie zu unterstützen…

Quelle und weiter: https://netzfrauen.org/2021/03/30/bangladesh/

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