Bewusstsein & Gesundheit: Die Neurowissenschaft der Meditation – ein Trainingscamp für Empathie und Emotionen (22.Mai 2020)

Von der Dichte der grauen Substanz bis zu den Neurotransmittern: Meditation verändert das Gehirn. Emotionen, Aufmerksamkeit und Introspektion, selbst Mitgefühl können mit ihrer Hilfe trainiert werden, wie Weitsprung oder Radfahren.

Im Waisman Laboratory for Brain Imaging and Behavior in Wisconsin-​Madison bietet sich ein ungewöhnliches Bild: Ein buddhistischer Mönch sitzt auf der Liege eines Hirnscanners (MRT) und rafft sein orange-​rotes Gewand zusammen.

Er wird Richard J. Davidson und sein Team mit modernstem Gerät zusehen lassen, was in seinem Gehirn geschieht, während er eine uralte Meditationstechnik praktiziert. Aus der Esoterik-​Ecke ist die Meditation längst heraus. Nicht nur im Rahmen der kognitiven, affektiven und sozialen Neurowissenschaften gilt sie als seriöser Forschungsgegenstand.

Auch immer mehr Ärzte und Psychologen setzen Meditationspraktiken ein, um ganz unterschiedliche Krankheiten zu therapieren oder ihre Therapie zu unterstützten, von chronischem Schmerz über stressbedingte Entzündungsreaktionen bis zu Depressionen.

„Mit der Meditation haben wir selbst die Möglichkeit, den Geist zu trainieren und unsere Gesundheit zu fördern“, sagt die Psychologin Britta Hölzel, die sich mit den neuronalen Korrelaten der Meditation befasst. Die Regulation von Emotionen, Aufmerksamkeit und Introspektion, selbst Mitgefühl und Zugewandtheit sind demnach Fähigkeiten, die trainiert werden können, wie Weitsprung oder Radfahren.

Keine fest verdrahtete Maschine

Dies ist möglich, weil das Gehirn keine starr verdrahtete Maschine ist. Es verändert sich mit den Erfahrungen, die wir machen. So ist etwa bei Musikern und sogar bei Menschen, die viele SMS schreiben, der Bereich der Gehirns, in dem die stark gebrauchten Finger repräsentiert sind, vergrößert. Neuronale Plastizität nennen Forscher dieses Phänomen.

Die ersten EEG-​Studien mit Yoga-​Meistern in Indien und Zen-​Buddhisten in Japan stammen aus den 1950er-​Jahren. In den 1970ern suchten amerikanische Forscher nach den Effekten der Transzendentalen Meditation, die damals in den USA en vogue war. Heute steht den Forschern neben dem EEG die Magnetresonanztomografie, der „Hirnscanner“, zur Verfügung. Seit der Jahrtausendwende erlebt die Neurowissenschaft der Meditation nun einen regelrechten Boom. „Das ist mir schon fast unheimlich“, gesteht Britta Hölzel.

Die Psychologin, die im Labor von Sara Lazar an der Harvard Medical School forschte – heute arbeitet sie an der Charité in Berlin –, konnte mit ihrer Arbeitsgruppe zeigen, dass schon ein achtwöchiges Trainingsprogramm in Mindfulness-​Based Stress Reduction (MBSR) deutliche Spuren im Gehirn hinterlässt. MBSR ist ein Meditationsprogramm, das Elemente aus Yoga und Buddhistischer Meditation aufgreift.

Es lehrt, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren und ihm mit einer Haltung der Offenheit und des Nicht-​Urteilens zu begegnen. Nach dem Trainingsprogramm hatte bei den Versuchspersonen die Dichte der grauen Substanz unter anderem im Hippocampus zugenommen. „Das ist ein Teil des limbischen Systems und wichtig für das Gedächtnis und die Regulation der Erregung in emotionalen Situationen“, erklärt Hölzel.

Mitgefühl kann man lernen

Mithilfe eines Spiels aus dem Repertoire der Spieltheorie konnten Helen Y. Wang und Kollegen aus dem Labor von Richard J. Davidson zeigen, dass ein lediglich zweiwöchiges Training auf Mitgefühl für andere Menschen die Probanden altruistischer handeln ließ. Die Versuchspersonen trainierten 30 Minuten pro Tag ihr Mitgefühl für eine nahestehende Person, einen Fremden, eine schwierige Person und für sich selbst.

Vor und nach dem Übungsprogramm wurde ihre Hirnaktivität mit funktioneller Magnetresonanztomografie gemessen. Verglichen wurde mit einer Kontrollgruppe, die statt des Mitgefühlstrainings Übungen zur Neubewertung von persönlichen Stresssituationen durchlief. Im Anschluss an das zweiwöchige Training mussten die Probanden beider Gruppen ein Verteilungsspiel spielen, bei dem ihre Bereitschaft getestet wurde, mit dem eigenen Geld auszugleichen, wenn ein anderer Geld unfair verteilte.

Dabei zeigte sich, dass die Probanden der Mitgefühlsgruppe signifikant mehr Geld für andere einsetzten. Dies ging mit einer im Vergleich zu der Zeit vor dem Mitgefühlstraining stärkeren Aktivität im inferioren parietalen Cortex und im dorsolateralen präfrontalen Cortex einher. Beide Hirnregionen werden mit sozialer Kognition und Emotionsregulation in Verbindung gebracht.

Mitgefühl und Altruismus sind also keine Eigenschaften, die eine Person hat oder nicht hat, man kann sie einüben, so die Autoren der Studie. Zudem berichteten die Probanden von größerem Wohlbefinden, geringeren Stressreaktionen und besserer allgemeiner Stimmung. Vom Mitgefühlstraining profitieren also nicht nur die Mitmenschen.

Die Effekte der Meditation lassen sich auch in der Konzentration der Neurotransmitter nachweisen. Chris C. Streeter, Perry Renshaw und Kollegen ließen eine Gruppe von erfahrenen Yoga-​Meditierenden eine Stunde lang Yoga-​Übungen machen, einer Kontrollgruppe verordneten sie eine einstündige Ruhephase.

Sie fanden in der Yoga-​Gruppe nach den Übungen eine um 27 Prozent erhöhte Konzentration des Neurotransmitters GABA. Dieser wirkt entspannend und vermindert Angstgefühle. Bei der Kontrollgruppe konnten sie keine Veränderung messen.

Antoine Lutz, der ebenfalls im Labor von Richard J. Davidson arbeitete – heute ist er am Lyon Neuroscience Research Center –, interessiert sich besonders für die neuronalen Korrelate des Zustands geistiger Klarheit, von dem erfahrene Meditierende berichten.

Er fand, dass diese Meditationsexperten während der Meditation kräftige Oszillationen im Bereich der Gamma-​Wellen hervorrufen können. Diese Hirnfrequenzen haben mit Lernen und der Synchronisation verschiedener Hirnbereiche zu tun.

Die Forscher stellten nicht nur fest, dass sich die Oszillationen bei den Experten während der Meditation stark von denen von Anfängern unterschieden, sondern auch, dass die Grundaktivität vor Beginn der Meditation bei den Experten höher ist als bei den Anfängern.

Quellen: PublicDomain/dasgehirn.info am 21.05.2020

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Eine Antwort zu Bewusstsein & Gesundheit: Die Neurowissenschaft der Meditation – ein Trainingscamp für Empathie und Emotionen (22.Mai 2020)

  1. Armin schreibt:

    Mönchsein ist eine Disziplin.; aber das Leben bietet auch andere Möglichkeiten..auch leben will gelernt sein – Im Leben selbst steckt das Sein, das All-Gegenwärtige…; Ausrichtung auf die Gebete oder Meditationen können helfen – jedoch nicht immer,.;.manchmal kann man/frau in einer Sackgasse steckenbleiben und „den fliegenden Wechsel“ verpassen..

    Gott ist eine Existenz, gelebt durch Gott – gewandelt im Selbst..der Selbstlose Geist ist ein ruhender Pol in einer Matrix der Existenznöte.

    Der Mönch ist ein Berufener.;. Mönchsein ist keine Disziplin mehr-in der neuen Zeit.

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