Bewusstsein & Gesundheit: Achtsamkeitsübungen – Zurück ins Hamsterrad? (29. März 2020)

Nach dem Urlaub ist schnell vor dem Urlaub, wenn wir uns vom Alltag auffressen lassen. Den Alltag durch Achtsamkeit wirklich zu erleben, anstatt ihn nur zu erledigen, kann eine echte Lösung sein. Hier drei einfache Achtsamkeitsübungen für einen bewussten Einstieg in den Tag.

von Christine Fitterer

Der letzte Urlaub liegt bereits länger zurück und der gewöhnliche, mit einer Vielzahl an Terminen und Verpflichtungen gefüllte Alltag ist wieder Normalität. Arbeit, Familie, Schule, Telefon, EMails, Hin- und Herfahren, Kochen, Putzen, Einkaufen, Essen machen….

Der Kopf ist selten frei. Anstatt das Frühstück mit der Familie zu genießen, kreisen die Gedanken bereits um die Aktenberge am Arbeitsplatz oder um die vielen Punkte auf der To-do-Liste. Nach kurzer Zeit fühlen wir uns zurück im Hamsterrad des Funktionierens. Welche Möglichkeiten gibt es, dieser Spirale der zunehmenden Anspannung etwas entgegenzusetzen? Das Hamsterrad anzuhalten, ist oft unmöglich. Und ganz aussteigen möchten wir meistens auch nicht. Aber: Auch ein Hamsterrad, das sich ständig dreht, hat diesen stillen Punkt im Zentrum der Radnabe. Wenn wir den immer wieder aufsuchen können, finden wir die Ruhe, um mit all den Aktivitäten um uns herum besser umgehen zu können. Nur: Wie kommen wir dort hin?

Durch die Praxis der Achtsamkeit – was nichts anderes heißt als innehalten, wahrnehmen, nichts verändern, mit viel Freundlichkeit annehmen, was ist. Mit der Praxis von Achtsamkeit können wir lernen, unseren Alltag zu erleben, anstatt ihn zu erledigen. Je mehr es uns gelingt, Momente zu finden, in denen wir präsent sind, uns unserer Gedanken und Gefühle und unserer Umgebung bewusst werden, wird die Fülle jedes einzelnen Augenblicks unsere Augen, unseren Geist und unsere Seele für die inhärente Schönheit des Moments öffnen – auch dann, wenn es kein klassisch schöner Moment ist.

Vielleicht wird es dann aber auch mit der Zeit nicht mehr so wichtig, ob es ein schöner Moment ist (Eis essen im Park) oder ein unangenehmer Moment (vollgestopfte U-Bahn). Vielleicht wird es möglich, einfach die Momente mehr und mehr zu erleben. Anstatt von der Vergangenheit verzehrt zu werden oder sich um die Zukunft zu sorgen, erlernen wir die Fähigkeit, in herausfordernden Situationen ruhig und im Frieden zu bleiben.

Das stille Zentrum finden

Doch die durchaus nützliche menschliche Fähigkeit, mit den Gedanken in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu wandern, hält uns gleichzeitig davon ab, in dieses stille Zentrum des Hamsterrades zu kommen. Unser unruhiger Geist erzählt uns gerne, dass es besser sei, wenn wir beschäftigt bleiben, und dass wir erst zur Ruhe kommen können, wenn alles erledigt ist. Dabei braucht es erst einmal gar nicht mehr als Präsenz. „Zu wissen, was man erlebt, während man es erlebt“ ist schon eine Definition von Achtsamkeit, in diesem Fall formuliert von Guy Armstrong. In den im Folgenden beschriebenen Situationen können wir diese Präsenz in unseren Alltag bringen und bewusst erleben, was wir erleben. Es sind alltägliche Handlungen, die wir normalerweise per Autopilot erledigen und bei denen normalerweise der Geist von einer Sache zur anderen wandert – doch das muss nicht so sein. Wir können üben, die Aufmerksamkeit immer wieder zurückzubringen zu dem, was gerade ist und was wir gerade tun.

Hier also drei kleine Achtsamkeitsübungen für den morgendlichen Alltag, die keine Zeit kosten, uns aber trotzdem ein Innehalten in unserer gedanklichen Geschäftigkeit bescheren:

1. Achtsam Zähne putzen

Auf erledigende Weise: Wir greifen nach der Zahnbürste, nehmen die Bewegung nur vage wahr und bewegen die Zahnbürste mechanisch im Mund. Vielleicht laufen wir dabei in der Wohnung herum und stolpern, auf der Suche nach den Schlüsseln, geistig in Vorbereitung bei dem ersten Arbeitstreffen des Tages, über die Katze. Auf erlebende Weise: Wir spüren unsere Füße am Boden, die Temperatur und Textur unter den Fußsohlen, bemerken das Aussehen, den Geruch und den Geschmack der Zahnpasta, nehmen wahr, in welcher Reihenfolge wir uns die Zähne putzen, und hören die Geräusche dabei. Spüren das Gefühl der Bürste an unserem Zahnfleisch. Hören vielleicht die Vögel oder sehen, wie das Wetter heute ist.

Achtung: Es geht nicht darum, Gedanken und Gefühle währenddessen aufzuhalten, sondern darum zu lernen, innerlich einen Schritt zurückzutreten und sie kommen und gehen zu lassen. Wenn wir dabei plötzlich in Gedanken versunken sind, ist das kein Problem – einfach die Aufmerksamkeit zurück zu den physischen Sinnen bringen und zu dem, was wir gerade machen…

Quelle und weiter: https://www.sein.de/achtsamkeitsuebungen-zurueck-ins-hamsterrad/

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