Geophysik: “Da passiert etwas Seltsames” – Position des magnetischen Nordpols aktualisiert (15.November 2019)

“Da passiert etwas Seltsames”: Position des magnetischen Nordpols aktualisiert

Eigentlich wird alle fünf Jahre neu modelliert, wie der magnetische Nordpol wandert. Erstmals musste das nun außerplanmäßig erfolgen, weil er so schnell ist.

Erstmals in der Geschichte des World Magnetic Models (WMM) haben die Geowissenschaftler das Modell außerplanmäßig angepasst: Grund ist der gegenwärtig immer schneller wandernde magnetische Nordpol.

Wie die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde der USA (NOAA) mitteilte, gab es nun das Update für das WMM, obwohl die nächste aktualisierte Fassung erst 2020 erscheinen sollte. Der bisherige Update-Zyklus von fünf Jahren reichte angesichts des wieder schneller wandernden magnetischen Nordpols nicht mehr aus.

Trotz GPS & Co. weiter wichtig

Das World Magnetic Model wird vom National Geophysical Data Center der USA und dem British Geological Survey erstellt und ist in vielen Bereichen das geomagnetische Standardmodell der Erde. es wird zum Beispiel für die Navigation genutzt und steht dabei an der Seite von GPS.

Auch Smartphones und andere Gadgets setzen bei der Bestimmung des Magnetfelds für Navigations- und Standortdienste auf das Modell. Weil sich die Position des magnetischen Nordpols aber kontinuierlich ändert, muss das Modell regelmäßig angepasst werden.

Betrachtet man die historischen Positionen des magnetischen Nordpols, die bei der NOAA bis zurück zum Jahr 1590 zusammengetragen wurden, sieht man, wie er lange im Zickzack durch die heute kanadischen Königin-Elisabeth-Inseln wanderte.

Mitte des 19. Jahrhunderte nahm er dann seinen gegenwärtigen Kurs in Richtung des Arktischen Ozeans und der russischen Taimyrhalbinsel auf. Hier nahm er schließlich Fahrt auf und erreichte im Jahr 2000 rund 56 Kilometer pro Jahr, berichtet die New York Times.

Pünktlich zum bislang aktuellen Modell-Update 2015 hatte sich der magnetische Nordpol aber wieder auf rund 50 Kilometer pro Jahr verlangsamt, nur um dann gleich wieder Fahrt aufzunehmen und so die Vorhersagen durcheinander zu bringen.

Diese letzte Beschleunigung sei das große Problem, nicht die Bewegung des magnetischen Nordpols an sich, zitiert die US-Zeitung den Geophysiker William Brown vom British Geological Survey. Das mache die Positionsvorhersage so schwierig und habe nun das außerplanmäßige Update notwendig gemacht.

Hinweis auf anstehenden Polsprung?

Zu den Hintergründen der Positionsverschiebungen des magnetischen Nordpols gibt es derzeit nur Theorien. Erzeugt wird das Magnetfeld im flüssigen äußeren Erdkern, der langsamen zeitlichen Veränderungen unterliegt und nicht so leicht zu erforschen ist. “Es ist klar, dass etwas Seltsames passiert”, meint aber Phil Livermore von der University of Leeds gegenüber der New York Times.

Einige Wissenschaftler spekulieren bereits, ob die Geschehnisse auf einen anstehenden sogenannten “Polsprung” hindeuten – also magnetischer Nord- und Südpol in geologisch nahem Zeitraum die Position wechseln, schreibt die Zeitung, ohne jedoch Namen zu nennen. Die meisten Forscher würden das aber anzweifeln und lediglich regionale Veränderungen sehen. So stehe der magnetische Südpol gleichzeitig relativ still.

Für die meisten Menschen jedenfalls hat die nun vorgenommene Modellkorrektur keine spürbaren Auswirkungen. Wichtiger sei sie vor allem für Langstreckenflüge, die dem magnetischen Nordpol viel näher kommen.

Die Folgen eines Polsprungs

Die Folgen eines Polsprungs wären für unsere Zivilisation fatal. Wissenschaftler denken zwar, dass der Zusammenbruch des Erdmagnetfeldes nicht gleich zu einem Massensterben führen würde, allerdings wären Satelliten und Strom- und Kommunikationsnetze dem Teilchen-Beschuss aus dem Weltall schutzlos ausgeliefert. Ein Zusammenbruch der modernen Infrastruktur wäre die Folge. Schon alleine eine langanhaltende Störung des GPS-Navigationssystem würde zum Crash des globalen Handels und der Weltwirtschaft führen.

Aber was verursacht die Beschleunigung der Polwanderung, welche letztendlich zum Polsprung führen könnte? Forscher arbeiten mit Hochdruck an eine Lösung dieser Frage. Bisher vermutet man eine Anomalie im äußeren (flüssigen) Erdkern: Der kontinuierliche Konvektionsstrom aus flüssigen Eisen ist Teil des Geodynamos der Erde.

Man vermutet, dass im Erdkern eine hydromagnetische Welle entstand, die einen Hochgeschwindigkeitsstrahl aus flüssigem Eisen erzeugte. Dieser steigt unter Nordkanada auf und führt zur Beschleunigung des nördlichen Magnetpols. Bereits im Jahr 2016 kam es zu einem geomagnetischen Puls unter Südamerika. Bereits zu diesem Zeitpunkt sei das Magnetfeld der Erde ins Wanken geraten.

Dass geschah zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, kurz nachdem das letzte Update für die Missweisung der Navigationssysteme durchgeführt wurde. Die weitere Entwicklung lässt sich derzeit praktisch nicht vorhersagen.

Ich meine, dass es sogar noch zu unseren Lebzeiten zu einem Polsprung kommen könnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür mag sehr gering sein, doch auszuschließen ist das nicht. Eine weiter Hypothese ist, dass die Vorgänge im Erdkern auch den Erdmantel beeinflussen. Wer weiß, vielleicht geht diese Beeinflussung sogar soweit, dass sie sich auf die Vulkane auswirken?! Zumindest wäre dies ein Erklärungsansatz für die Zunahme der weltweiten vulkanischen Aktivität, die wir seit dem Herbst 2017 beobachten können.

Quellen: PublicDomain/heise.de/ulkane.net am 14.11.2019

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