Neue Erde: Quantenphysik – eine Evolution zum mit-fühlenden Menschen (27.September 2019)

Das Unwahrscheinliche möglich machen! Engagement lohnt sich, sagt Margot Geilenbrügge, da wir weitaus handlungsfähiger sind als wir glauben. Die Quantenphysik dient uns Menschen dabei als wissenschaftliches Handwerk, um Evolutionsprozesse bewusst weiter zu führen.

Wenn unser gesellschaftliches Engagement an seine Grenzen stößt, der Gegner übermächtig erscheint, wenn sich Krise auf Krise, Konflikt auf Konflikt häuft, dann sagt unser rationale Verstand: Ein Wandel hin zum Besseren ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass Gewalt und Naturzerstörung weiter zunehmen und zum Kollaps unserer Zivilisation führen.

Wahrhaft Neues entwickeln dank Quantenphysik

Es gibt eine Möglichkeit, den bestehenden Trend umzukehren und einen Weg einzuschlagen, der das vermeintlich Unwahrscheinliche – den Wandel hin zu einer lebenswerten Welt – wahrscheinlicher werden lässt. Diesen Weg zeigt uns die Quantenphysik. Ihre gute Nachricht lautet: Wir können an der Kreativität teilhaben, die uns selbst und das Universum hervorgebracht hat. Dazu müssen wir eingetretene Pfade verlassen und uns in einen evolutionären Lernprozess begeben. Das schöpferisch Neue zeigt sich erst, wenn wir bereit sind, uns auf Unsicherheiten und Instabilitäten einzulassen.

Zum 50. Jahrestag des „Russel-Einstein-Manifests“ im Jahr 2005 veröffentlichten der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, der Ökologe Daniel Dahm und der Philosoph Rudolf zur Lippe das „Potsdamer Manifest“ (1, 2). Es bekräftigt Bertrand Russells und Albert Einsteins Appell, Krieg als Strategie der Konfliktlösung endgültig zu verbannen, geht aber noch einen Schritt weiter. Es prangert die strukturelle und offene Gewalt an, die von dem „herrschenden materialistisch-deterministischen Weltbild“ ausgeht, und alles Lebendige verdinglicht und es zur bloßen Verfügungsmasse macht.

Vom Toten zum Lebendigen

Weil wir immer noch am Weltbild der klassischen Physik, dem „Paradigma des Unlebendigen“, festhalten, so resümieren die Autoren des Potsdamer Manifestes, denken wir, der Mensch stünde außerhalb der Natur. Wir halten die Welt für eine materiell-dingliche Maschine, die sich von uns in den Griff kriegen lässt. Doch damit gleitet sie uns immer mehr aus den Händen. Wir müssen lernen, auf neue Weise zu denken. Wir müssen uns am Weltbild der neuen Physik, dem „Paradigma des Lebendigen“ orientieren und „das Lebendige lebendiger werden lassen“. Das alte Denken hat dazu geführt, dass wir uns einerseits maßlos überschätzen, andrerseits aber unsere wirklichen Möglichkeiten gar nicht erkennen.

Der lebendige Kosmos

Wir leben in einem lebendigen Kosmos aus Beziehungen und schöpferischen Verwandlungen
Die Quantenphysik hat gezeigt, dass eine strenge Naturgesetzlichkeit gar nicht existiert, dass die Welt auch nicht aus Materie besteht. Sie besteht aus „Verbundenheit“ ohne materiellen Träger. Was wir als materiell-energetische Realität erleben und was sich naturgesetzlich verhält, sind Ausmittelungen von „Potentialität“, „Verkrustungen immaterieller Wirkungen“, Fußabdrücke eines „embryonal-lebendigen“ Mikrokosmos (3). Die Welt lässt sich weder gedanklich, noch sprachlich, noch technisch in den Griff kriegen. Man kann von ihr nur in Bildern und Gleichnissen reden. Am ehesten noch, so die Autoren des Potsdamer Manifests, lässt sich die Wirklichkeit mit „Geist“, „Information“ oder „Liebe“ umschreiben.

Der Boden auf dem wir stehen, ist schwankend. Nichts „existiert“ im gewohnten Sinne. Von Augenblick zu Augenblick geht die Welt aus der „Potentialität“, dem „Meer aller Möglichkeiten“, neu hervor (4). Das bedeutet: Die Zukunft ist grundsätzlich offen, die Evolution ist nicht abgeschlossen. Und wir sind einbezogen in diesen Prozess.

Nicht falsch, aber begrenzt gültig

In unserer dreidimensionalen Alltagsrealität merken wir von all dem nichts. Hier folgt die Welt den Gesetzen der klassischen Physik. Lässt man ein Glas fallen, kann man sich darauf verlassen, dass es sich beschleunigt in Richtung Erdboden bewegt. Davonfliegen wird es nie. Auch geht die Sonne aus unserer Perspektive mit Sicherheit jeden Morgen auf und jeden Abend wieder unter. Die Naturgesetze sind offensichtlich nicht falsch, sondern nur begrenzt gültig. Ebenso wenig falsch ist das rationale Ursache-Wirkungs-Denken, das der klassischen Physik zugrundeliegt. Diese Außensicht auf die Welt, die zwischen Beobachter und beobachtetem Objekt unterscheidet und einer Entweder/Oder-Logik folgt, hilft uns, im Alltag zurechtzukommen. Sie ermöglich uns sozusagen zwischen Baum und Apfel zu unterscheiden, um den Apfel dann ergreifen und verspeisen zu können. Fälschlicherweise haben wir daraus geschlossen, die ganze Welt wäre ein Apfel.

Die Ideologie des Toten

Seit der marktliberale Kapitalismus seinen Siegeszug angetreten hat, verkommt die Rationalität immer mehr zu einem technokratisch-ökonomischen Zweckdenken. Wie eine „Kolonialmacht“ unterwirft sie die Bereiche ihrem ökonomischen Kalkül, die sich natürlicherweise jeglichem Herrschafts- und Machbarkeitsdenken entziehen. Dazu zählt der Bereich des „Ich“. Das ist die Erfahrungswelt des fühlenden Subjekts mit seiner personalen Bedeutung und seinem freien Willen. Das Gleiche gilt für das „Wir“, den zwischenmenschlichen Bereich, indem wir versuchen, uns gegenseitig zu verstehen und zu einer gemeinsamen Übereinkunft zu kommen.

Zwischen Personen und Sachen, lebendigen Wesen und toten Dingen, wird mittlerweile nicht mehr konsequent unterschieden. Das hat zur Folge, dass wir Lebendiges ständig gedankenlos verletzen und beschädigen, Ökosysteme in rasantem Tempo zerstören, dass Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich aussterben. − Bleiben wir in diesem Denken, dem „Paradigma des Unlebendigen“ gefangenen, dann gilt, was der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik über geschlossene Systeme aussagt: Das Wahrscheinliche − die Zunahme von Zerfall und Unordnung − passiert in Zukunft wahrscheinlicher (3).

Wir müssen lernen, neu zu denken

Mit unserem bisherigen naturwissenschaftlichen Verständnis können wir dem lebendigen, unendlich mehrdimensionalen Kosmos mit seiner paradoxen Sowohl/Als-auch-Logik nicht gerecht zu werden. Wir brauchen dazu etwas, was Johann Wolfgang von Goethe eine „zarte Empirie“ genannt hat. Das ist eine Herangehensweise, die sich mit dem, was sie erforschen will, „innigst identisch macht“ (4). Hans-Peter Dürr meint das Gleiche, wenn er davon spricht, dass die Welt am ehesten mit einem Gedicht zu vergleichen ist (5).

Auch einem Gedicht wird man nicht gerecht, wenn man es quantifiziert und in seine objektiven Bestandteile zerlegt. Wenn man seine Sätze und Wörter zählt, die unterschiedlichen Buchstaben isoliert und deren Kombinationen rechnerisch erfasst. Ein Gedicht macht nur als Ganzes Sinn. Seine Bedeutung liegt im Ganzen und erschließt sich mir, wenn ich mich darauf einlasse, mich mit ihm verbinde. Am besten gelingt das durch Auswendig-, oder besser Inwendiglernen, wie es auch im englischen „by heart“ oder im französischen „par cœur“ zum Ausdruck kommt…

Quelle und weiter: https://www.sein.de/die-evolution-weiterfuehren-der-weg-der-quantenphysik/

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Eine Antwort zu Neue Erde: Quantenphysik – eine Evolution zum mit-fühlenden Menschen (27.September 2019)

  1. yamahela schreibt:

    Der Paradigmenwechsel ist ein kosmisches Experiment; aber so real fühlt es sich an, wenn Werte ins Schwanken kommen. Aber Liebe kann den begrenzten Schwachsinn beenden – mit einer Portion Humor. Liebe ist der Humanismus und Umkehrpunkt. Liebe verkehrt in allen Welten; begegnet sich selbst-in Gott.

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