Mensch-Sein: Die Sprache des Herzens lernen (von Juliane Leser) – 05.April 2019

Wie ein Kind den Weg der Liebe geht, die Sprache des Herzens lernt und die Menschen verwandelt, erzählt Juliane Leser.Bedacht, ganz bei sich und in aller Seelenruhe nimmt er den Waldboden unter seinen Füßen wahr. Mit Begeisterung lauscht er den knisternden Geräuschen des Laubes und dem Pfeifen des Windes zwischen den Ästen. Ein paar Meter entfernt springt ein Kleiber an der Borke einer alten Eiche hinauf. Er kann den Vogel nicht sehen, aber spüren. Ein Lächeln der Freude findet sich auf seinen Lippen wieder. Schließlich, als der Kleiber im Kronenmeer verschwunden ist, läuft er auf das himmelsnahe Bodenwunder zu und legt die Arme um den alten Baum wie um einen guten Freund. Ist das eine Illusion? Ein Gedankenausflug? Ein Märchen? Nein, es ist Wirklichkeit.

Das Walderlebnis beschreibt eine von vielen Situationen des kleinen Tenzin, heute sieben Jahre alt. Bereits von Geburt an ist er mit einer mehrdimensionalen Wahrnehmung beschenkt. Von Anfang an begaben sich seine Eltern mit ihm auf eine Reise, die von Dankbarkeit, Feingefühl und einem starken Bewusstsein geprägt ist. Alles auf Basis eines Wundermittels. Dem Wundermittel Liebe.

Das eigene Kind auch als Lehrer sehen

»Jedes Kind kommt herzensrein auf die Welt. Alle Eltern haben die Chance, im eigenen Kind einen Lehrer zu sehen. Sie brauchen sich nur dafür zu entscheiden«, so Tenzins Mutter Claudia. Sie sieht ihren Sohn als Geschenk und sorgt dafür, dass er immer er selbst bleiben kann. Ihn auch als Lehrer zu erkennen und ihm bedingungslose Liebe zu schenken – das ist Claudias Quintessenz aus dem Leben mit ihrem Sohn. Und die trägt sie mit Liebe weiter. »Jedes Kind kann dein Lehrer sein«, sagt sie. Alles andere wäre wie bei einem Bonsaibäumchen, das wir immer und immer zuschneiden. In ihm steckt die ganze Urenergie mit all seinem Wissen, doch das Bäumchen kann sich nie in seiner Kraft entfalten. Es kennt seine Wege, kann sie aber nie gehen.

Das »gestutzte Kunstwerk « versucht es immer wieder, doch irgendwann passt es sich an und akzeptiert für den Moment sein Schicksal. Viele Eltern sehen in ihrem Kind so ein Bonsaibäumchen und stutzen es, wie sie es für angemessen halten. Dabei sind sie es selbst, die Orientierung bräuchten, weil sie unnatürlich gestutzt und verdreht durch die Welt irren – auf der, meist unbewussten, Suche nach ihrer eigenen inneren Lebensund Wachstumsrichtung. Auf der oft vergeblichen Suche nach dem Glück, das sie schon in ihrer Kindheit verloren haben. Doch sie können es wiederfinden: in den Kindern, die alle frei wachsen wollen, anstatt klein und zusammengestutzt zu werden wie ein Bonsaibäumchen. Und die dieses Geschenk des Sein-Dürfens, wie sie sind, durch Liebe zurückgeben.

Zu diesem Thema hat Rudolf Steiner bereits vor zirka hundert Jahren gesagt: »Denn in Wahrheit nimmt der Erzieher, wenn er nur ein ganzer Mensch ist, vom Kind ebenso viel für sich, als er dem Kind gibt. Derjenige, der nicht von dem Kind lernen kann, was es ihm als Botschaft aus der geistigen Welt herunterbringt, kann einem Kind auch nichts über die Geheimnisse des Erdendaseins beibringen. Nur wenn das Kind unser Erzieher wird, indem es Botschaften aus der geistigen Welt herunterbringt, wird sich das Kind auch bereit finden, die Botschaften, die wir ihm aus dem Erdenleben entgegenbringen, entgegenzunehmen.«

Wie sieht der Umgang miteinander in der Praxis aus?

Claudia erinnert sich zurück an ihre Anfangszeit als »Lehrling« ihres Sohnes. Einmal fragte Tenzin: »Mami, kannst du mir bitte Liebe senden? « Als sie fragte, wie das geht, war Tenzin erstaunt über die Frage und wunderte sich, dass es für die großen Erwachsenen nicht normal ist, »Liebe senden« zu können. Tenzin zeigte ihr, wie es sich anfühlt, Liebe zu empfangen, und daraufhin übte Claudia das Senden über ihr Herzchakra. Nachdem Tenzin feststellte, dass sie sich dabei sehr anstrengte, meinte er: »Mami, du brauchst dir nur zu wünschen, Liebe zu senden!« Dieser Tipp öffnete Claudias Tor zur Sprache des Herzens. Sie spürte, wie sich schnell eine liebevolle Energie um sie herum ausdehnte. Claudia erinnert sich an ein weiteres Erlebnis: Immer, wenn Claudia den Telefonhörer in die Hand nahm, wurde Tenzin unruhig. Schnell waren alte Bewertungen wie »das Kind braucht jetzt Aufmerksamkeit« da. Doch was tun, wenn Dinge erledigt werden wollen?

Claudia fragte ihren Sohn, wie eine Lösung zum Wohle aller aussehen könnte. Tenzins Antwort: »Mami, unsere Herz-Verbindung ist nicht mehr so stark, wenn du den Telefonhörer nimmst. Schaffst du es, gleichzeitig Liebe zu senden und zu reden?« Früh bemerkte Claudia auch, dass Tenzin sich immer genau 45 Minuten bewegte und 45 Minuten entspannte. Nachdem sie dies dokumentierte, fiel ihr auf, dass sein Verhalten über den Tag verteilt eine Sinuskurve darstellt. Im Schwimmbad konnte sie bei Babys und Kleinkindern ebenfalls diesen Rhythmus erkennen. Kurze Zeit danach fand sie in der Literatur Aufzeichnungen von Dr. Rudolf Steiner, die dies bestätigten, und entdeckte weiterhin die Rhythmen »drinnen und draußen«, »führen und geführt werden« usw. Es handelt sich offensichtlich um Yin und Yang.

Claudia fing direkt damit an, diese Rhythmen (wieder) mit zu leben, denn lange Zeit hatte sie zum Beispiel immer nur gegessen oder getrunken, wenn es der Tagesablauf erlaubte. Nun aber war der Ur-Rhythmus wieder mehr da und sie spürte, wie sie ihre ureigenen Impulse stärker wahrnahm. Ihr inneres Gleichgewicht verstärkte sich und damit gab es immer weniger Konflikte mit anderen. Als Tenzins Papa eines Abends von einem stressigen Arbeitstag nach Hause kam, rannte Tenzin direkt ins Bad. Er besprühte seinen Papa mit Wasser. Claudia wollte erfahren, was er da tat. »Papi in Liebe verwandeln. Um Papi herum ist etwas, was Aua machen will“, war Tenzins Antwort. Sein Papa war danach in der Tat entspannt und wieder voller Liebe. Damals war Tenzin ungefähr zwei Jahre alt. So entstand »Tenzins magisches Schmunzelspray« und später das zugehörige Buch, das weitere Geschichten aus Tenzins Leben erzählt.

In einem weiteren Zitat aus jüngeren Tagen klingt Tenzin wie ein weiser Mönch: »Mami, je lauter jemand schreit, umso mehr Liebe braucht er und je dunkler eine Energie ist, umso mehr Liebe braucht sie!« Ergänzend kam noch hinzu, dass jeder in Liebe verwandelt werden will. Wie andere Kinder auch, sieht Tenzin Fremdenergien, die jemanden oder etwas umgeben. Als er zum Beispiel einmal mit dem Bobbycar durch die Wohnung fuhr und Claudia um den Tisch fürchtete, wies Tenzin seine Mami darauf hin, dass sie jetzt eine Angst hat. Diese Angst würde dann durch Tenzin wirken wollen und er würde somit an den Tisch fahren. Er erklärte weiter, dass er diese Energie dann als Wunsch wahrnimmt, jedoch merkt, dass dieser Wunsch nicht von der Sternen-Mami kommt, sondern eine Fremdenergie ist. Mit Sternen- Mami meint er die Mami, die »ganz bei sich« ist – und damit frei von Sorgen, Ängsten und Zweifeln. Weitere Beispiele gibt es in verkürzter Form im Kasten Kinder-Translator.

Verbindung zum eigenen Herzen

Kinder tragen eine eigene Magie in sich. Nicht mehr das Reden ist wichtig, sondern das Wahrnehmen des großen Ganzen und die starke Verbindung zu ihren und den Herzen um sie herum. Dieser Zauber kann sich auf das gesamte Umfeld auswirken, wenn wir Erwachsenen ihnen die Gelegenheit dazu geben. Auf der geistigen Ebene sind Kinder weise und vollkommen. Was sie von uns lernen, ist die Erdung – also das Zurechtfinden in unserer physischen Welt. »Ich sehe die Ur-Aufgabe der Eltern darin, ihr Kind zu beschützen. Erfüllen wir diese Aufgabe gut? Was macht es beispielsweise mit einem Kind, wenn es von seinem Beschützer angegriffen wird?« gibt Claudia zu denken. Ein Kind braucht Hilfe. Doch stattdessen wird es in vielen Situationen angeschrien, weil es missverstanden oder gar nicht ernst genommen wird.

Wenn wir beginnen, mit den Augen eines Kindes zu sehen, erkennen wir, dass wir Erwachsenen es sind, die Hilfe brauchen. Wir dürfen verstehen lernen, dass hinter jeder Situation, die uns unangenehm vorkommt, eine Bedeutung, eine Aufgabe oder eine weise Lektion steht. Wenn uns das Verhalten unseres Kindes in Rage versetzt, dann dürfen wir als Erstes in unseren inneren Spiegel schauen und selbst reflektieren, ob wir vorher schon »aus unserer Mitte« geraten sind. Und dann analysieren, warum das Kind so reagiert, und die Situation als Ganzes betrachten…

Quelle und weiter: https://www.sein.de/die-sprache-des-herzens-lernen/

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3 Antworten zu Mensch-Sein: Die Sprache des Herzens lernen (von Juliane Leser) – 05.April 2019

  1. yamahela/Armin schreibt:

    Manches ist hier doch eher verallgemeinerd dargestellt.; ein Kind kommt zwar reinen Herzens-soweit man das beurteilen kann – auf die Welt, jedoch schleppten bisher(..) der überwiegende Teil der Kleinkinder auch ein historisches Gepäck mit sich herum, Inkarnationsgepäck nämlich. und das schlägt nun mal durch – je älter sie werden..; in der heutigen Zeit sind jedoch mitunter Seelen unterwegs, für die dies keine Rolle mehr spielen mag-neue Seelenanteile der neuen Verbindlichkeit.

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