Bewusstsein & Gesundheit: Buddhistische Psychologie – wieder fühlen lernen (von Simone Klatt) – 01. Dezember 2018

Warum leiden viele Menschen, selbst wenn sie spirituelle Methoden und Praktiken erlernt haben, unter Rastlosigkeit? Warum haben sie oft das Gefühl, in ihrer Entwicklung hin zu mehr Frieden und Klarheit nicht weiterzukommen? Hat es mit dem Verstand zu tun, mit dem auch spirituell Interessierte glauben, alles „bearbeiten“ zu können – oft ohne auch nur zu bemerken, dass sie sich hauptsächlich auf der Verstandesebene bewegen? Simone Klatt, Expertin für buddhistische Psychologie, deckt diese versteckten Mechanismen auf und zeigt, wie durch die Kombination altbewährter Methoden mit neuen Therapieansätzen echte Transformation möglich wird.

Wir leben in einer Zeit, in der scheinbar alles zu schnell geht. Vieles verändert sich im Äußeren, alles ist in stetem Wandel, und das Tempo scheint weiter zuzunehmen. Gleichzeitig erleben Menschen große Rastlosigkeit und innere Leere und sind immer irgendwie auf der Suche nach etwas. Nach sich selbst, nach einem besseren Leben, nach Glück, nach Partnern und vielem mehr. Dieses Suchen gab es natürlich schon zu allen Zeiten und es gehört zur Natur des Menschen, aber was sich verstärkt hat, sind Rastlosigkeit, Unruhe, das Getrieben-Sein und damit auch die Zunahme an psychischen Problemen und psychosomatischen Erkrankungen.

Denken reicht nicht

Der tibetische Gelehrte Rinpoche Tarab Tulku* meinte dazu, dass wir in einer Zeit leben, in der das konzeptuelle Bewusstsein, also der Verstand, unser Leben völlig dominiert, und wir dadurch unsere anderen Bewusstseinsarten und Möglichkeiten, das Leben und uns selbst zu erfahren, kaum nutzen. Die tibetische Philosophie unterscheidet nämlich zwischen verschiedenen Bewusstseinsarten, mit denen wir uns selbst und das Leben wahrnehmen können. Der Verstand ist nur eine Form davon. Er hat wichtige Funktionen, die wir für viele Bereiche des Lebens, insbesondere für die Kommunikation brauchen. Probleme bekommen wir nur dann, wenn er, wie derzeit, völlig dominiert. Buddhistisch gesehen ist der Verstand eine indirekt erfahrbare Bewusstseinsart: Wenn wir uns hauptsächlich in der Verstandeswelt bewegen, können wir mit den Dingen, dem Leben und auch mit uns selbst nicht in einen direkt erfahrbaren fühlenden Kontakt treten.

Unser Körper aber, wie auch unser fühlendes Bewusstsein, sind dazu in der Lage! Mit etwas körperlich in fühlenden und direkt spürbaren Kontakt zu gehen, bedeutet, dass es uns nährt, uns erfüllt und wir in eine tiefe Erlebnisfähigkeit eintauchen. Umgekehrt heißt das aber auch, dass wir ohne diesen fühlenden Kontakt keine direkte und somit auch keine nährende und erfüllende Erfahrung machen können. Der „moderne Mensch“ bewegt sich zu etwa 80 Prozent auf der Verstandesebene und kreiert seine Realität fast ausschließlich durch die Augen des Verstandes – sich selbst, seine Mitmenschen und seine Umwelt betreffend. Aus buddhistischer Sicht kommt er dabei nicht in das Gefühl einer fühlbaren Erfahrung und damit auch nicht in ein Genährt- und Erfüllt-Sein.

Daher haben viele Menschen das Gefühl, sich selbst nicht richtig zu spüren und nirgendwo so richtig anzukommen. Die Folge: Wir sind immer auf der Suche, rennen immer weiter und möchten immer mehr machen. Auf der Suche nach diesem Erfüllt- Werden, Genährt-Sein, Endlich-ankommen- Können. Wir rennen beispielsweise auf Berge, in der Hoffnung, dort eine erfüllende Erfahrung zu machen, was uns auch zum Teil gelingt. Da wir uns aber hauptsächlich auf der Verstandesebene bewegen, ist diese Erfahrung nicht sehr tief und nährt uns nicht wirklich. Und weil wir nicht in der Lage sind, uns selbst auf liebevolle und natürliche Art und Weise zu spüren, gehen wir wieder auf die Ebene des Verstandes und versuchen irgendein Ich-Bild zu konstruieren. Viele Menschen sind sehr damit beschäftigt, an ihrem Bild zu arbeiten und zu feilen. Sie wollen „etwas“ sein, da sie sich auf eine natürliche Art selbst nicht spüren können. Nur manchmal fühlen sie einen Schmerz: den Schmerz, mit sich selbst nicht verbunden zu sein.

Auch Spiritualität kann verstandesdominiert sein

Dieses Defizit unserer Zeit zeigt sich auch in der spirituellen Welt, der Esoterik- und Yoga- Szene. Denn solange wir uns vorwiegend auf der Verstandesebene bewegen, brauchen wir immer Neues und kreieren Ich-Bilder. Der Verstand ist seiner Entsprechung nach ungeduldig, er langweilt sich schnell. Er braucht ständig Unterhaltung. Ruhe und Verweilen sind nicht seine Natur. So ist man auch in der Esoterik-Szene gezwungen, immer Neues anzubieten. Meditationen beispielsweise werden heute recht unterhaltsam gestaltet, damit man „möglichst viel erleben“ kann. Auch im Yoga werden immer „neue“ Übungen angeboten. Die Lehrer spüren einen Erwartungsdruck, in jeder Stunde etwas Besonderes oder Unterhaltsames bieten zu müssen. Ständig gibt es neue spirituelle Ratgeber-Bücher, neue Methoden, neue Wege, neue Angebote.

Das Rennen in der spirituellen Szene geht genauso wie im Alltag ungebremst weiter. Und weil wir gerne nach Antworten im Außen suchen, bedient der Markt dieses Bedürfnis. Zum Beispiel, indem er uns Antworten von Engeln, Verstorbenen oder anderen Geistwesen anbietet – eben weil wir das Gefühl für uns selbst und unsere eigenen Antworten verloren haben. Und immer wieder ist die Ursache dieser Rastlosigkeit unser Verstand. Ob wir meditieren oder mit anderen Techniken arbeiten – solange wir hauptsächlich in der Welt des Verstandes leben, bewegt sich oberflächlich scheinbar viel, aber in der Tiefe nicht wirklich etwas. Immer wieder höre ich von meinen Klienten, sie hätten doch nun schon so viel gemacht, aber es hätte sich wenig verändert. Das ist wenig verwunderlich, denn tiefe Erfahrungen und echte Transformationsprozesse finden jenseits des bewertenden Verstandes statt! Tarab Tulku sagte in diesem Kontext: „Something is missing“ – Etwas fehlt.

Und dieses Fehlende finden wir nicht auf der Ebene des Verstandes. Dazu müssen wir in andere Tiefen unseres Bewusstseins eintauchen. Es beginnt damit, dass wir lernen, unseren Körper wieder von innen her zu fühlen. Auf einer tieferen Ebene kommen wir über diesen Körpersinn in eine Verbundenheit mit uns selbst und dem Leben, eine Körper-Geist-Energie. Auch dieser Sachverhalt steht mittlerweile in vielen Büchern und wird auch intellektuell von den meisten Menschen verstanden. Doch das ist die große Crux unserer Zeit: Wir haben uns intellektuell schon alles angeeignet, verstehen es und stimmen dieser Ansicht auch zu. Und doch finden wir keinen echten Zugang zum lebendigen Kern dessen, was wir da verstanden haben.

Inneren Halt finden, fühlen lernen

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Wenn die Wurzeln tief sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten.“ Wer also einen tiefen fühlenden Halt in sich hat, in seinem Körper ruhen kann und in sich selbst angekommen ist, hat auch die Stabilität und Flexibilität, mit den Stürmen des Lebens umzugehen. Wenn wir uns aber in diesem eigenen Zuhause nicht spüren, sind wir fragil, leicht irritier- und beeinflussbar und fühlen uns oft angreifbar und schutzlos. Wir alle kennen diese Momente, in denen wir ganz tief berührt werden. In denen uns das Herz aufgeht und wir uns ganz erfüllt fühlen. Uns kommt es dann auch nicht in den Sinn, sofort einen nächsten Impuls im Äußeren zu suchen, da wir ihn nicht brauchen. Wir kommen in tiefe innere Ruhe, sind erfüllt und können da bleiben. Momente, in den wir uns richtig spüren und uns in uns selbst wohl fühlen, sind die schönsten und wertvollsten! Genau diese Bewusstseinszustände (direkte Erfahrung zu erleben), können in der Meditation und mit speziellen Techniken auf Basis und mit dem Verständnis buddhistischer Psychologie geübt und erlernt werden.

Buddhistische Praxis: Verweilen, fühlen, ein Zuhause in uns selbst finden

Als ich diese Techniken aus der buddhistischen Psychologie erlernte, war es zunächst nötig, eine spezielle Meditationspraktik zu üben, um das konzeptuelle Bewusstsein weitgehend zu verlassen: Über einen langen Zeitraum übte ich, in meinen Körper, meine Körperwahrnehmung und in die Körperenergie einzutauchen, um auf dieser Basis wieder die unterschiedlichsten und vielfältigsten Gefühle kennen und spüren zu lernen. Dies brauchte mehr Zeit als anfangs angenommen und erforderte auch regelmäßige Praxis. In dieser Ebene der inneren Wahrnehmung und des Vertiefens in ein anderes Bewusstsein öffnete sich aber eine neue Tür: die Tür zu Raum und Zeit. Ich meine damit, dass man plötzlich Raum und vor allem Zeit hat und in der Tiefe wirklich spürt, dass dieses Hin-und- Hergerenne eine große Leere nach sich zieht. Wenn man diese Erfahrung fühlend macht, ist auch die Notwendigkeit, sich in dieses Hamsterrad zu begeben und ständig Neues haben zu wollen, nicht mehr da.

Plötzlich empfindet man eine innere Freude während des Verweilens und des Vertiefens im Moment. Man erkennt: Das wirkliche Verweilen in einem Zustand ist das, was uns nährt, was Erfahrungen vertieft und was auch unsere Erlebnisfähigkeit deutlich erweitert. Es stellt sich ein Raum ein, in dem wir ankommen können, ein Zuhause in uns selbst – der eigentliche Zustand, nach dem wir alle suchen. Die Grundlage der buddhistischen Psychologie ist es, die innere Arbeit auf Basis der Meditation mit unterschiedlichen, auch westlichen Therapiemethoden, zu verbinden. Diese bekommen durch die speziellen Meditationstechniken eine völlig neue Farbe, wirken intensiver und verkürzen Prozesse. In meiner Arbeit nutze ich auch Heilmethoden aus dem tibetischen Buddhismus mit dem Ziel, Blockaden, alte Muster oder Traumata zu transformieren, zu heilen oder zu beruhigen.

In diesem Raum kommt man Mustern, Blockaden und Glaubensätzen sehr nahe. Sie werden dabei nicht nur sicht-, sondern auch fühlbar. Man erhält dabei auch oft tiefe Erkenntnisse und Einsichten. In diesem Raum wird es möglich, Dinge wirklich anzunehmen. Auch das kann man nur im Fühlen und über das Herz. Denn der Verstand kann nichts annehmen, was sich nicht gut anfühlt. Das braucht er auch nicht, denn dazu haben wir andere Bewusstseinsarten, die das können. Je mehr einem dies gelingt, desto mehr genießt man einfach nur noch dieses Verweilen, weil es so erfüllend ist. Das ist intellektuell schwer zu verstehen – es will erfahren werden!

Mein Weg – die Krise als Schule des Lebens …

Ich habe schon recht früh begonnen, mich mit psychologischen, spirituellen und ganzheitlichen Themen auseinanderzusetzen. Als mein Leben dann trotzdem innerlich gefühlt auseinanderbrach, praktizierte ich schon viele Jahre als Heilpraktikerin, Therapeutin und Yogalehrerin. Dieser innere Knall wurde durch äußere Umstände ausgelöst: Nach einer Trennung stand ich mit einem vier Monate alten Baby und einem zweieinhalbjährigen Kind plötzlich alleine da. Ich war weder finanziell abgesichert, noch hatte ich Familie im Umfeld, die mir hätte helfen können. Ich wurde schlaflos – das heißt, ich habe nicht einfach nur schlecht geschlafen, sondern ich war oft ganze Nächte hindurch wach. Das war damals extrem bedrohlich und hat tiefe Ängste ausgelöst. Ich wollte mich ja gut um meine Kinder kümmern und musste Geld verdienen, war damit aber total überfordert!

Da ich therapeutisch geschult war, wusste ich natürlich, dass die Schlaflosigkeit der Ausdruck einer tiefen Angst und eben dieser Überforderung ist. Aber ich konnte mir zu dieser Zeit selbst überhaupt nicht helfen. Ob man nun schlaflos ist oder unter einem Burn-out-Syndrom, einer Depression, Angstzuständen oder einer körperlichen Krankheit leidet – es löst immer das Gleiche in uns aus: Absolute Hilflosigkeit, totale Ohnmacht und Verzweiflung, sich selbst nicht helfen zu können, da etwas in uns und mit uns passiert, auf das wir keinen Zugriff haben. Als wenn da etwas Fremdes in uns wäre. Wie für viele Menschen war auch für mich in dieser Zeit meine Not so groß, dass ich das Gefühl hatte, für langsame Problemlösungen einfach keine Zeit zu haben.

Ich stand unter einem unglaublichen Druck, mein Leben meistern zu müssen und leistungsfähig zu sein, während es mir einfach nur furchtbar schlecht ging. Durch diese plötzliche alleinerziehende Rolle wurde ein großer roter Knopf gedrückt, der all meine tiefsten Ängste und das Gefühl, völlig alleine zu sein, zum Vorschein brachte. All diese Gefühle, die ich über viele Jahre ganz gut handhaben konnte, waren jetzt nicht mehr wegzudrücken – es hatte sie zwar schon immer gegeben, doch nun kamen sie an die Oberfläche…

Quelle und weiter: https://www.sein.de/buddhistische-psychologie-wieder-fuehlen-lernen/

 

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