Lebendiger Rhythmus der Natur: Forscher entdeckt Herzschlag der Bäume (16.Mai 2018)

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Bäume sind und bleiben rätselhafte stille Wesen; und wer schon einmal eine Nacht im Wald verbracht hat, wird wissen, wie lebendig sie sich anfühlen. Darum dürfte es den einen oder anderen unter euch nicht besonders überraschen, dass ein Forscher an der Aarhus Universität in Dänemark nun den Herzschlag der Bäume entdeckt hat.

Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass die Baumsäfte im stetig gleichen Fluss durch die Tracheiden fließen. Dass es sich tatsächlich um einen regelmäßigen Pumpvorgang handelt, der an den menschlichen Herzschlag erinnert, aber sehr viel langsamer abläuft, konnte nun der Forscher Dr. András Zlinszky beweisen.

Die Ergebnisse seine Studie hat er im Fachmagazin »Plant Signaling & Behavior« veröffentlicht – und dabei auch ältere Untersuchungen mi einbezogen, die den Pumprhythmus noch als Rechenfehler abtaten. Zlinszky maß mit Hilfe von Laserstrahlen die exakte Position der Äste und Blätter von 22 verschiedenen Baum- und Buscharten.

Er stellte fest, dass sich die Äste periodisch senken, um sich danach wieder aufzurichten. Bei einigen Bäumen handelt es sich immerhin um einen Höhenunterschied von 10 Zentimetern, die Bewegungsgeschwindigkeit beläuft sich auf 1 cm pro zwei bis sechs Stunden.

Der Rhythmus orientiert sich am Ablauf von Tag und Nacht und hängt wahrscheinlich mit dem bestehenden Wasserdruck im Bauminneren zusammen.

Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf wenige Baumfamilien, sondern es ist sehr weit verbreitet. Die Nacht verbringen die Äste eher in einem hängenden Zustand, während sie sich zum Sonnenaufgang wieder erheben, ganz so, als erwachen die Pflanze aus dem Schlaf.

Die neuen Erkenntnisse reihen sich nahtlos ein in die immer tiefer greifende wissenschaftliche Offenbarung, dass Bäume eine Art geheimes Leben führen, ganz unbemerkt von uns Menschen.

“Wir haben festgestellt, dass die meisten Bäume regelmäßige periodische Formänderungen aufweisen, die über die gesamte Pflanze hinweg synchronisiert sind … was zu periodischen Änderungen des Wasserdrucks führt”, sagte András Zlinszky von der Universität Aarhus in den Niederlanden gegenüber New Scientist.

In seiner Studie von 2017 untersuchten Zlinszky und sein Kollege Anders Barfod mit Hilfe von terrestrischem Laserscanning 22 Baumarten, um zu sehen, wie sich die Form ihrer Blätter veränderte.

Die Messungen wurden nachts in Gewächshäusern durchgeführt, um Sonne und Wind als Faktoren für die Bewegungen der Bäume auszuschließen.

In einigen Bäumen bewegten sich die Äste alle paar Stunden um etwa einen Zentimeter auf und ab.

Nach dem Studium der nächtlichen Baumaktivität entwickelten die Forscher eine Theorie über die Bedeutung der Bewegung. Sie glauben, dass die Bewegung ein Hinweis darauf ist, dass Bäume Wasser aus ihren Wurzeln pumpen.

“In der klassischen Pflanzenphysiologie werden die meisten Transportprozesse als konstante Flüsse mit vernachlässigbarer Fluktuation in der Zeit erklärt”, sagte Zlinszky gegenüber New Scientist. “Keine Fluktuationen mit Perioden, die kürzer als 24 Stunden sind, werden von aktuellen Modellen angenommen oder erklärt.”

Aber die Forscher verstehen immer noch nicht ganz, wie die “pumpende” Bewegung funktioniert. Sie schlagen vor, dass der Stamm das Wasser sanft drückt und es nach oben durch das Xylem drückt, ein System von Gewebe im Stamm, dessen Hauptaufgabe darin besteht, Wasser und Nährstoffe von den Wurzeln zu den Sprossen und Blättern zu transportieren.

Im Jahr 2016 haben Zlinszky und sein Team eine weitere Studie veröffentlicht, die zeigt, dass Birken nachts “schlafen gehen“.

Die Forscher glauben, dass das Absinken der Birkenzweige vor Sonnenaufgang durch einen Rückgang des inneren Wasserdrucks des Baumes verursacht wird. Ohne Photosynthese in der Nacht, um die Umwandlung von Sonnenlicht in einfachen Zucker voranzutreiben, sparen Bäume wahrscheinlich Energie, indem sie Zweige entspannen, die sonst der Sonne zugewandt wären.

Wir berichteten zum Beispiel bereits darüber, dass eine Art »Wood Wide Web« existiert, in dem stärkere Bäume den schwächeren Nachbarn helfen.

Zlinszky möchte seine erlangten Forschungsergebnisse dafür nutzen, die normalen Bewegungsmuster der Bäume genau zu kartieren, um dann Abweichungen von der Regel erkennen zu können.

Nahende Krankheiten und Stresssymptome ließen sich auf diese Weise wahrscheinlich in einem früheren Stadium diagnostizieren – und mit Hilfe einer zeitnahen Behandlung heilen.

Quellen: PublicDomain/trendsderzukunft.de/goldeneslicht.blogspot.cz am 16.05.2018

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