Spiritualität & Erwachen: Resonanz – die Befreiung aus einem rein vorgestellten Leben (von Nicole Paskow und Daniel Herbst) – 27.Februar 2018

Wer wir wirklich sind, hat nichts mit den Vorstellungen über uns selbst zu tun. Sind wir im Kontakt mit dieser Wirklichkeit, ordnet sich alles – im Sinne von Resonanz – auf natürliche Weise: Ein Wille taucht auf, der nicht immer wieder an sich selbst scheitert. Eine Kraft, die nicht nur von ihrem Einsatz träumt. Damit wird das Leben zu einer direkten Erfahrung, die nicht mehr unentwegt mental überlagert wird. Dieses Leben ist das Leben, um das es geht. Seine geheimnisvolle Schönheit entfaltet sich von allein, wenn wir nicht mehr auf die Idee kommen, uns selbst zu boykottieren.

Von Nicole Paskow und Daniel Herbst

Das Schöne am Sich-Gedanken-Machen ist, dass es zu nichts führt! Ich muss nichts tun, es hat keine Konsequenzen. Alles bleibt beim Alten. Ich denke mir einfach, was ich „will“ und träume von mir in einer anderen Form – und von einer anderen Welt. Das Ergebnis: Es ändert sich nichts in meinem Leben. Und: Die Instanz, die sich das alles erdenkt, beherrscht mich weiterhin. In mir scheint es einen autonomen Denkautomat zu geben, der mich unentwegt mit Gedanken überschwemmt, dadurch beherrscht und meine emotionalen Reaktionen auf mich und die Welt auslöst. Um in dieser gottgleichen Position bleiben zu können, muss er mich nur immer wieder mit Zweifeln und Ängsten konfrontieren.

Doch wenn ich erst einmal auf dieses Denkprogramm aufmerksam werde, erkenne ich: Das Denkprogramm ist mein unbewusst angenommenes Glaubensbekenntnis, wie ich und die Welt funktionieren. Es spricht aus mir. Es denkt für mich. Und ich glaube ihm, wenn ich mir selbst gegenüber abwesend bin. Mir selbst gegenüber abwesend sein heißt: Meine Träume, Hoffnungen und Vorstellungen versprechen mir ein anderes Ich und eine andere, bessere Welt. Und dafür bin ich immer wieder bereit, mich selbst zu übersehen. Ich will doch einfach nur eine kleine Auszeit von mir und meiner anstrengenden Welt. Und träume mich darum immer wieder weg. Weg von mir und der Situation, in der ich mich befinde. Damit degenerieren meine Träume zu Oasen in einer freudlosen Wirklichkeit. Und Gedanken und Vorstellungen werden zu meinen bevorzugten Opiaten. Leider verliert dadurch meine reale Lebenswirklichkeit alle Kraft!

Träume übermalen die Wirklichkeit

Ich brauche meine Träume, um die Welt aushalten zu können, und ich halte die Welt nicht aus, weil ich unentwegt träume! Das ist der unlösbare Widerspruch! Träume übermalen eine Wirklichkeit, der ich mich anderenfalls zuwenden müsste. Wenn ich also wirklich leben will, kann ich nicht weitermachen wie bisher. Oder anders: Wenn ich so weitermache wie bisher, werde ich immer wieder an einer Version von mir hängenbleiben, die nur gedanklich generiert ist. Und damit gehe ich weiterhin an mir vorbei. Die Wahrheit ist: Ich bin ein sich selbst erlebender und bezeugender Lebensprozess und keine fest umrissene Entität. Und ich bin mir allein deshalb weitestgehend unbekannt, weil alle meine Bilder und Überzeugungen aus der Vergangenheit kommen. Dieses rein mentale Ich, das alles besser weiß, hat keine Ahnung davon, wer ich bin. Es weiß nur, wie es sich und die Welt sieht. Dabei weiß es nicht einmal, warum es sich und die Welt so wahrnimmt. Genau genommen nimmt es sich überhaupt nicht wahr. Es lebt einfach auf meine Kosten. Als Ich! Nur deshalb kann das mentale Ich Empfindungen in mir hervorrufen, von denen ich mich beherrscht fühle.

Wir können nur wirklich leben, wenn diese mentale Überlagerung aus unserem Leben verschwindet, wenn wir dem Leben allen Platz in uns einräumen. Das Leben interessiert sich einfach nicht für unsere Theorien über das Leben. Es hat kein Problem mit sich selbst und es hat keine Probleme mit uns. Wir haben Probleme mit dem Leben! „Ich will das nicht! Es sollte anders sein, sich anders zeigen!“ Wer glaubt das? Der Gedankenjunkie. Er stellt seinen Konjunktiv über die Wirklichkeit und spielt damit dem Gefühlsjunkie in die Hände. Zusammen beschweren sie sich immer wieder bitterlich über das Leben. Und du musst dieses Leben dann aushalten. Ein Leben, dass sich gegen das Leben stellt! Das ist ziemlich verrückt – und schmerzhaft!

Ja zum Leben

Wenn diese Trance durchschaut wird, zieht eine Kraft in dich ein, die sich dir schon immer angeboten hat. Diese Kraft ist der Wille, dieses Leben zu leben! Damit wird aus diesem Leben ein Ausdruck des Willens, der vollkommen mit sich übereinstimmt. Und plötzlich vernehmen wir Resonanz! Wir fühlen uns direkt berührt und direkt angesprochen. Weil wir in Resonanz mit dem Leben sind. Wir sind um so vieles leichter und lichter, als wir glauben. Wir sind keine statischen Größen, die sich abgrenzen und ihren Raum verteidigen müssen. Solche Gedanken haben uns ganz klein werden lassen.

Solange wir an ihre Richtigkeit glauben, hält uns das in einer Kleinheit gefangen, die uns – dem Leben! – einfach nicht entspricht. Wem entspricht sie dann? Der Kleinheit der Gedanken über uns und die Welt. Und plötzlich können wir sehen: Ich bin kein Opfer, ich bin eins mit dem Leben. Und dieses Leben ist ein endlos fließender kreativer Prozess, der sich lebend selbst erfährt. Dieses Leben ist das einzig wahre Gebet. Es betet sich selbst an und erlebt sich dadurch in aller Schönheit. Es erkennt sich als das Gewünschte. Und dieses Mal bewusst. Das Leben will sich. Und es will mich. Es will durch mich. Und ich will dieses Leben. Das ist der Tanz. Der Tanz zweier Liebender, die sich als eine Bewegung erkennen. Ein Bogenstrich, der durch den Resonanzkörper zu sich selbst als Klang erwacht, in der Stille, die sich selbst erhört. Das, was auf eine Weise über dich nachdenkt, die dir nicht entspricht, ja nicht entsprechen kann, löst sich in dem auf, was du wirklich bist.

Du bist ein lebendiges Wahrscheinlichkeitsfeld mit einzigartigen, ungeahnten Möglichkeiten, die nur dir und durch dich möglich sind. Individualität ist nichts anderes als die dir gegebene Struktur, durch die sich das verwirklichen kann, was du in Reinform bist: Das direkte Erleben als Lebensprozess, als fließender Strom, frei von Blockaden. Die Unmittelbarkeit dieses Selbsterlebens kann sich erst dann empfangen, wenn du dich durch deine enge, scheinbar wissende Form nicht mehr selbst blockierst. Andernfalls hältst du das, was den Lebensfluss blockiert, aufrecht, weil du weiterhin versuchst, dich vor Schmerz und Kontrollverlust zu schützen. Du machst das, indem du dich und andere belügst, dich ablenkst, von dir wegsiehst und dich immer wieder selbst verlässt. Und wofür? Um weiterhin vom Leben zu träumen, statt es so zu leben, wie es sich dir darstellt. Damit versuchst du weiterhin, einem Lebensmodell gerecht zu werden, das so tief im menschlichen Kollektiv verankert ist, dass wir uns lieber selbst abtöten, als dieses Modell in Frage zu stellen…

Quelle und weiter: https://www.sein.de/resonanz-die-befreiung-aus-einem-rein-vorgestellten-leben/

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2 Antworten zu Spiritualität & Erwachen: Resonanz – die Befreiung aus einem rein vorgestellten Leben (von Nicole Paskow und Daniel Herbst) – 27.Februar 2018

  1. Antonia schreibt:

    Sehr interessant! Ich bin sehr interessiert an spirituellen Themen, jedoch haben mich unlängst zwei Ebooks von Victoria Rationi an meinen Motiven dafür zweifeln lassen („Spiritual Bypassing“ , „Persönlichkeitswachstum“). Kennt Ihr schon diese Theorie vom „Spiritual Bypassing“ und was meint ihr dazu?

    LG Antonia

  2. yamahela schreibt:

    Ja, wenn ich träume nachts und gleichzeitig den Harndrang verspüre, muss ich irgendwann den Traum unterbrechen – ob es mit passt oder nicht; sonst ist es durchnässt das Bett – über kurz oder lang. Also ist Traum ein unverbindlicher Zustand.; m Wachsein ist es besser zu träumen..

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